Besuch beim Patenkind

Am 25. August 2003 besuchten Angela Müller und Wolfgang Brecht ihr Patenkind David in Peru:

Seit 2001 sind wir Paten eines zwölfjährigen Jungen aus Peru. Aus Davids Briefen haben wir viel über sein Leben und sein Land erfahren und der Wunsch, ihn und seine Familie kennen zu lernen wurde immer stärker. Bis kurz vor unserer Abreise nach Peru waren wir unsicher, ob ein Besuch überhaupt stattfinden kann, da im Juni 2003 der Ausnahmezustand über das Land verhängt worden war.

Nach der Ankunft in Lima nahmen wir über das dortige Plan-Büro Kontakt zu den Mitarbeitern in Cusco auf und wurden am Montag, den 25. August von Renzo, einem Mitarbeiter des Plan-Büros in Cusco am Hotel abgeholt.

Auf der Fahrt durch das Heilige Tal der Inka bogen wir hinter der Ortschaft Pisaq auf eine Schotterpiste, die während der Regenzeit oft unpassierbar ist und durch kleine Dörfer und einsames Hochland führt. Unterwegs berichtete Renzo über die Arbeit von Plan in den Gemeinden und zeigte uns neu errichtete Schulen, Kindergärten und Krankenstationen.  Über einen 4000 m hohen Pass und nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir das Colquepata-Tal und nach weiteren unzähligen Kurven Davids Dorf.

Hier wurden wir bereits vom Bürgermeister und dem Plan-Gemeindehelfer erwartet und begrüßt und auf dem Dorfplatz konnten wir bereits von weitem David in seiner Sonntagstracht erkennen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ihn wirklich vor sich zu sehen und einfach umarmen zu können.

Mit David an der Hand haben wir dann das Dorf besichtigt: zunächst den Kindergarten und die Vorschule, wo mehrere Mütter im Hof Kartoffeln schälten  während im Klassenzimmer eine junge Lehrerin unterrichtete. Voller Stolz führten uns die Gemeindeverantwortlichen in zwei große, sehr gepflegte Gewächshäuser, die ebenfalls mit Hilfe von Plan gebaut worden sind. Hier wird in Gemeinschaftsarbeit Gemüse angebaut – die Zutaten für das Mittagessen der Kindergarten- und Schulkinder.

Eine Straße oder befestigte Wege gibt es im Dorf nicht – über Felder, Wiesen und kleine Bäche ging es steil bergab zu Davids Elternhaus. Der Empfang war überwältigend: David hatte gemeinsam mit seinem Vater Florentino einen Torbogen aus Zweigen, Blättern und weißen Rosen errichtet und im Hof empfingen uns seine Eltern traditionell, indem sie uns mit weißen Rosenblättern bestreuten. Davids Großmutter, die Verwandten und Nachbarn kamen und umarmten uns zur Begrüßung – so viel Freude und Dankbarkeit war beschämend.

Nach dem Essen und dem Austausch der Geschenke – Davids Mutter Valentina hatte einen wunderschönen Schal aus Schafwolle gewebt – wurde die Stimmung ausgelassener. Davids Familie ist evangelisch; sein Onkel und dessen Freund spielten Gitarre und zu den religiösen Melodien und Gesängen wurde geklatscht und getanzt, wobei Davids Oma beim Tanzen die größte Ausdauer bewies. In dem kleinen Innenhof ging es jetzt lebhaft zu.

Begrenzt wird dieser Hof vom Wohnhaus der Familie und einem weiteren kleinen Haus, in dem David und seine Brüder Elias und Isaias schlafen und ihre Hausaufgaben machen. Elektrizität gibt es im Dorf noch nicht überall, aber die Wasserversorgung ist durch einen Brunnen am Haus gesichert. Daneben gibt es einige Hühner, kleine Hausschweine, einen Esel und Schafe, die David nach der Schule hütet. Zum Abschied begleitete uns die Familie den steilen Weg zurück zum Dorfplatz, wo inzwischen Mittagspause im Kindergarten war.

In einer Reihe saßen die Kleinen vor der Schule und löffelten ihre Suppe …

An diesen Besuch, der geprägt war von vielfältigen Eindrücken und Emotionen werden wir immer gern zurückdenken. Wir sind Davids Familie für den herzlichen Empfang und ihre Gastfreundschaft sehr dankbar und wünschen uns, dass David mit Hilfe von Plan die Chance nutzen kann, seine Zukunft nach seinen eigenen Wünschen und  Vorstellungen zu gestalten.

Ganz herzlich danken wir den MitarbeiterInnen von Plan in Hamburg, die uns diesen Tag ermöglicht haben sowie Renzo Terrazas vom Plan-Büro Cusco, der uns begleitet, alle Fragen geduldig beantwortet und viel über das Leben in Peru erzählt hat.

 

Nachtrag:

Eine Patenschaft bei Plan endet mit der Volljährigkeit des Patenkindes oder beim Rückzug von Plan aus dem Projektgebiet, wenn alle Ziele umgesetzt sind und die Gemeinde in der Lage ist, sich selbstständig zu verwalten. Im Mai 2008 wurde David 18 Jahre alt und somit endete leider die Patenschaft. Aber wir hatten das Glück, dass Davids kleine Schwester, die bei unserem Besuch noch gar nicht geboren war, „nachrücken“ konnte. So reißt auch der Kontakt zu David nicht ab: als „voluntario comunal“ schreibt er nicht nur die Briefe für seine kleine Schwester, sondern engagiert sich selbst für Plan und leistet seinen Beitrag für die weitere erfolgreiche Entwicklung seines Dorfes. Und eines Tages werden wir sicherlich auch Raquel bei einem Besuch in die Arme schließen können …